Sonntag, 15. Januar 2017

Familienpizza am Sonntag

Bei unserem zweiten Weihnachtsfest am 26. Dezember im Haus von Michaels Eltern hatte Michaels Schwester sein Geschenk zu Hause vergessen. Grund dafür war, dass ihrem Mann das große Paket in der Nähe der Eingangstür, wo es wahrscheinlich nicht vergessen worden wäre, wohl im Weg gestanden war und er es an einen anderen Platz geräumt hatte. Michael hatte vollstes Verständnis, kennt er die Situation doch nur allzu gut, nur dass es bei uns umgekehrt ist. Ich kann es nicht leiden, wenn Dinge herumstehen, wo sie nicht hingehören, vor allem dort, wo der Platz ohnehin begrenzt ist, also bin ich ständig am weg- und herumräumen, was Michael bestimmt mindestens so auf die Nerven geht, wie mich die Unordnung wahnsinnig macht.

Das vergessene Geschenk wiederum war tatsächlich ein Glücksfall, so konnten wir die Geschenksübergabe in das neue Jahr verlegen und sie gleich mit einem Essen bei uns verbinden. Isabellas Geschenk an Michael war nämlich ein Miniatur-Pizzaofen für den Tisch, nicht etwas, das wir uns selbst gekauft hätten, aber es stellte sich heraus, dass die "Pizzerette" in einer größeren Runde und vor allem mit Kindern mindestens genauso viel Spaß macht wie ein Fonduetopf oder ein Raclette, als das man den Pizzaofen übrigens auch verwenden kann.

Bei der Tischdekoration fragte ich mich, wie man das Thema Pizzaofen verarbeiten kann, ohne auf bunte Papierservietten, rotes Karo und italienische Fähnchen zurückgreifen zu müssen. Da fiel mir ein, dass wir zwar, auf mein Drängen hin, die Krippenfiguren, aber, dank Michaels, na nennen wir es Gelassenheit, noch nicht die Krippe und ihre Ersatzteile weggeräumt hatten. In einem Säckchen fand ich noch rohe Dachziegel, die übriggeblieben waren, als Michael vor Weihnachten einige der Ziegel mit Ockerpigmenten, die er, als wir im Sommer im Ockerdorf Roussillon in der Vaucluse Halt gemacht hatten, in einem Malerbedarfsgeschäft gekauft hatte, sowie Ockererde, die ich vom Parkplatz mitgehen hatte lassen, kurz bevor wir Roussillon verließen, bearbeitet hatte. Ein Pizzaofen wird ja bekanntlich auch aus Ziegeln gebaut, also her mit den kleinen Ziegeln und auf die einfachen weißen Stoffserviette damit!





Michael hatte den Pizzateig bereits zwei Tage vorher angesetzt, 24 Stunden bei Raumtemperatur gehen lassen und dann im Kühlschrank kalt fermentiert. Klingt kompliziert, stellte sich aber als der beste Pizzateig heraus, den wir je selbst gemacht hatten und auch die Gäste waren dieser Meinung. Mit den Fingerknöcheln wurde dann die Teigkugeln ein wenig auseinandergezogen und hatten damit die richtige Größe für die kleinen runden Schaufeln, die dann gleich am Tisch in den Pizzaofen geschoben werden.

Als Belag hatten wir zur Pizzaiola, der Paradeissauce, Kochschinken und Rohschinken zur Auswahl, dazu entweder Mozzarella oder etwas härterer Gruyère, Champignons, rote Oliven und für eine Pizza norvégienne Räucherlachs und Créme fraîche.




Im kleinen Pizzaofen sind die Minipizzen rasch fertig und aufgrund der Größe kann man drei bis vier, vielleicht sogar fünf, verschiedene Varianten probieren, ohne sich zu überessen. Kurt, mein Schwager, gestand nach dem Essen, sich nicht zu viel von einer "hausgemachten" Pizza, und schon gar nicht von dem "Gerät", das seine Frau gekauft hatte (deshalb vielleicht auch das Wegräumen der Schachtel, nicht lediglich aus Platzgründen ...), erwartet hatte, aber er war positiv überrascht worden. Michaels perfekt aufgehender Pizzateig, zusammen mit den qualitativ hochwertigen Belägen hatten ihn überzeugt, dem "kleinen Ofen" eine genauso gute Kritik zu geben wie dem "richtigen" seines langjährigen Freundes Aldo in dessen Pizzeria, der, vor Jahrzehnten, ersten und immer noch existierenden Pizzeria in Kurts Heimatstadt Steyr. Das verstehe ich als Kompliment!

Zur Pizza tranken wir zwei Flaschen des Barbera 2015, den wir im Sommer von Bruno im "Agroturismo Il Tiglio" im Piemont mitgenommen hatten. Bruno behielt recht, denn er hatte gemeint "perfetto con Pizza".


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