Montag, 7. November 2016

Maroni, Cranberries und antike Espressotassen


Seitdem unser Sohn Philipp bei uns ist, habe ich vielleicht weniger Zeit für meinen Blog, und eigentlich auch weniger Zeit zu kochen und zu genießen, vor allem in Ruhe zu kochen und zu genießen, weil Philipp den größten Teil meiner Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber ich denke, ich koche und genieße bewusster. Bei Philipp daheim zu sein, erlaubt mir, nicht nur hin und wieder, wenn ich frei habe, sondern jeden Freitag auf den Markt in der nächsten Stadt zu gehen, mit der Betonung auf "gehen". Was ich früher mit dem Rad gemacht habe, weil man am Markttag sowieso keinen Autoparkplatz bekommt, geht jetzt mit dem Kinderwagen vielleicht nicht ganz so schnell, aber wir sind in Bewegung. Das einzige, das uns jetzt dazwischen funken kann, ist das Wetter. Dank des Regenschutzes für den Kinderwagen sollte auch das uns nicht aufhalten - es macht nur einfach nicht so viel Spaß.
 
Am Markt gibt es derzeit eine große Auswahl an "Breizutaten", die den Erwachsenen auch schmecken. So bekommt Philipp seine Pastinaken, Butternusskürbisse, Hokkaidos, Fenchel, Topinambur, Karotten und Kohlrabi, gedünstet und püriert, und Äpfel und Birnen in Form von Mus. Für die Großen gibt es, für mich ganz wichtig, Salz dazu und das Gemüse und Obst bleibt auch mal ganz (und roh ...).
 
Weitere meiner Favoriten im Spätherbst sind außerdem Cranberries und Maroni. Sie sind nicht wie Spargel oder Kürbis, denen ich schon lange bevor sie auf den Markt kommen entgegenfiebere, sie sind einfach plötzlich da und ich erinnere mich, wie gut sie im letzten Jahr waren und freue mich spontan.



 
Die passenden Rezepte für beide Zutaten haben wir am Sonntag zur Geburtstagsfeier meines Schwiegervaters ausprobiert. Es gab eine Maronen-Velouté, eine ganz dicke, samtige Suppe, die durch Zwiebel und Lauch ein bisschen Frische bekommt, gefolgt von einer Ente, die im Original im Frühjahr mit Kirschen gemacht wird, wir haben sie allerdings mit Cranberries serviert. Eine zweite Beilage waren die Rosmarin-Erdäpfelknödel nach einem Rezept meiner Schwiegermutter, ohne Mehl, nur mit Grieß und Maisstärke, und wir konnte noch etwas von unserem wuchernden Rosmarinbusch verarbeiten.
 



 
 
Was ich mir außerdem nicht nehmen lasse, auch wenn dafür eigentlich genauso wenig die Zeit habe, ist, auf einen schön gedeckten Tisch wert zu legen. Philipp soll ja auch Tischmanieren und das Gespür für schöne und genussvolle Dinge von uns lernen. Guten Appetit und Lust am Essen legt er bereits an den Tag. Er isst beinahe alles, außer Brokkoli, aber der schmeckt mir auch nicht sonderlich, genießt seine Mahlzeiten und kann meist gar nicht genug bekommen.
 
Die Maronenvelouté gestern wurde in meiner Sammlung aus alten Espressotassen, alle, wie könnte es anders sein, in grün gehalten - ein paar mintfarbene, oh Wunder,  hätte ich auch noch, aber die passten gestern nicht zur Tischdekoration, angerichtet. Sie sind vielseitig einsetzbar, ich habe auch schon öfter Mousse au chocolat darin serviert, und ich liebe sie einfach, meine in vielen Jahren zusammengetragenen Schätze. Es ist doch einfach viel aufregender, immer wieder auf ein Fundstück zu stoßen und sich zu freuen, als gleich ein fertiges Set zu erstehen ...
 





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