Dienstag, 18. Oktober 2016

Herbstgräser und eine wärmende Pastilla

Heute morgen bin ich, wieso auch immer, um halb sieben  Uhr aufgewacht. Schon am Vorabend habe ich darüber nachgedacht, ob ich nicht eine morgendliche Nordic Walking-Runde starten sollte. Oft wenn ich morgens mit dem Auto ins Büro fahre und Menschen am Wegrand und auf den Feldern laufen oder walken sehe, denke ich mir jedes Mal - das nächste Mal wenn du frei hast, machst du das auch. Bis jetzt war das Wunschdenken und ich bin stattdessen lieber im gemütlichen Bett liegen geblieben, aber heute war ich dann so munter, dass ich es doch angegangen bin. Und es hat sich gelohnt. Es war der perfekte Frühherbstmorgen, die Sonne ging über den Weinbergen auf, es gab nur wenige, hübsch formierte Wolken, die schon verblühten Sonnenblumen glänzten fast schwarz im Sonnenlicht, das Gras war noch feucht und die Luft einfach herrlich. Zum Abschluss meiner etwas mehr als einstündigen Runde habe ich noch ein paar bunte Gräser, Getreide und seltsame braune Schoten, die mir noch nie vorher aufgefallen sind, gesammelt, die mich jetzt in der alten Milchkanne an meinen Spaziergang erinnern und sich in die bestehende Herbstdekoration am Esstisch einreihen. Obwohl lange zu schlafen natürlich auch etwas für sich hat, solche morgendliche Touren muss ich unbedingt öfter machen!


 


 
Zum Essen gab es heute etwas herbstlich Wärmendes aus Marokko. Auf unserer Hochzeitsreise in die Königsstädte Marokkos haben wir zum ersten Mal Pastilla gegessen, einen halb pikanten, halb süßen Kuchen aus Hühnerfleisch, Mandeln, die mit Orangenblütenwasser, Zimt und Zucker zubereitet werden, Zwiebeln, Eiern, Butter, Olivenöl, Petersilie und jeder Menge von mir sehr geliebten Gewürzen, nämlich Safran, Ingwer, Zimt, Muskatnuss (Herr Müller!) und der Gewürzmischung Ras-el-Hanout, die eigentlich "Hausmischung" bedeutet und bei uns aus Koriander, Kreuzkümmel, Kardamom, Zimt, schwarzem Pfeffer, Anis, Chili, Kurkuma, edelsüßem Paprika, Ingwer, Knoblauch, Nelken, Sternanis, wieder Muskatnuss (Herr Müller!), Rosenblütenblättern, Schwarzkümmel, Lavendelblüten und Paradieskörner - was für ein Name! - besteht. Schon beim Aufzählen läuft mir wieder das Wasser im Mund zusammen.
 
Nachdem ich ein Rezept für Pastilla entdeckt hatte, habe ich sie mir von meinem Chefkoch Michael als "Samstagsmahl" bestellt. Samstagsmahl deswegen, weil wir uns am Wochenende angewöhnt haben, spät und ausgiebig zu frühstücken, nachmittags irgendwann zwischen zwei und fünf Uhr, wenn es uns gerade passt, die "Hauptmahlzeit" und abends, wenn überhaupt, nur mehr eine Kleinigkeit zu essen. Schon während des Kochens konnte ich es kaum erwarten, die Pastilla auf meinem Teller, oder eigentlich in meinem Mund zu haben. Der Geruch des gebratenen Huhns mit all den Gewürzen, die blanchierten Mandeln - einfach eine wundervolle und raffinierte pikant-süße Kombination, die dank der Gewürze auch schon ein bisschen Vorfreude auf Weihnachten macht. Aber daran möchte ich eigentlich noch nicht denken, erst genieße ich noch den Herbst!


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen